Nein, falsch geraten. Ich möchte nicht einer von diesen vielen Experten sein, der jetzt auf einmal sagt: „Ich hab’s doch gleich gewusst! Hätten Sie mir nur vorher zugehört.“ Das bringt jetzt niemandem mehr einen Nutzen. Die Aktien- und Fondsanleger bekommen durch ihr verlorenes Geld nicht zurück und die Banken, die bankrott gegangen sind, erstehen dadurch auch nicht wieder auf. Trotzdem möchte ich hiermit meine persönliche Stellungnahme zur Gesamtsituation abgeben.
Wenn man mal ehrlich ist, erinnert die aktuelle Bankensituation einen ja schon etwas an das Umfallen von Dominosteinen. Eine schier unendliche Kettenreaktion, die erst langsam wieder zum stehen kommen wird, scheint in den vergangenen Monaten ausgelöst worden zu sein. Ich persönliche sage aber nicht erst seit heute, dass Banken ihr eigentliches Geschäft nicht mehr verstehen und ausüben. Man denke da an beschränkende Modelle wie Basel II oder die Freistellung für „Roulette-Spekulationen“ mit Bündel-Kreditangeboten. Das die Situation in einem solchen Ausmaß eskalieren würde, hätte ich mir aber trotzdem nicht träumen lassen. Da müssen wohl wirklich einige Verstandsmitglieder völlig blind gehandelt und jegliches Risiko-Management bei Seite geräumt haben. Kredite gab es für Kleinbetriebe sowieso schon seit Jahren nicht mehr, da Herren in den Führungsetagen der Banken lieber nur mit den großen Fischen Geschäfte eingehen. Die USA will es natürlich mal wieder besonders geschickt machen: Gewinne möglichst behalten, Verluste einfach exportieren. Womöglich ein Mal zuviel, denn dieses Mal sind sie damit kräftig auf die Nase gefallen.
Dass das Hauptproblem ein absolut schwächelndes globales Finanzsystem ist dürfte außer Frage stehen. Dennoch ungeklärt: Was sollte man jetzt am Besten tun?
Wichtig scheinen nicht mehr Fragen wie: „Was passiert mit meinem Ersparten?“, sondern viel mehr: Ist meine Arbeitsstelle für 2009 wirklich noch so sicher? Was, wenn das komplette Versorgungssystem in sich zusammenfällt, und ich weder Strom, noch Wasser, noch Gas, noch Benzin kaufen kann? Oder was bringt alles Geld, wenn es plötzlich wertlos wird?
Diese Vorstellungen machen Ihnen Angst? Mir auch, und das zu Recht. Man sollte sich dessen bewusst sein, dass wir uns aktuell sprichwörtlich „im freien Fall“ befinden. Plötzlich sind ist jeder, der vor kurzem nach als Verschwörungskritiker verschrien war, der große Messias. Machen Sie sich viel weniger Gedanken um ihr Geld, als um die anderen, viel größeren Sorgen..
Geld ist und bleibt im Grunde nur buntes, mit Zahlen beschriebenes Papier, vielmehr eine Zahl, die der Staat plötzlich einfach auf 0 setzen kann. Heute können Sie sich auf niemanden mehr verlassen, auch erst recht nicht auf die Banken und den Staat. Wirklich wichtig ist die Sicherung Ihrer Grundbedürfnisse.
Wenn Sie bis heute nicht die Chance ergriffen haben Ihr Erspartes in feste Sachwerte (wie beispielsweise Golfbarren) angelegt zu haben, sollten Sie dennoch einen Notvorrats-Plan erstellen, durch den Sie immer einen Notvorrat an existentiell notwendigen, langlebigen Verbrauchsgütern im Hause haben. Nie erachtete ich in den letzten 30 Jahren einen solchen Notfall-Plan als wichtiger, als ich dies aktuell tue. Dieses Geld ist wirklich gut angelegt.
Aktuell lohnt sich beispielsweise eine Investition in erneuerbare Energien bzw. Energiesparmaßnahmen, aber bitte nur, wenn Sie die Dinge nicht so pessimistisch sehen, wie manch anderer. Ziehen Sie los und kaufen Dinge, die Sie schon lange haben wollten.
Ich will es ja auch nicht mit dem Schwarzsehen übertreiben: Selbst wenn es einen Total-Zusammenbruch geben sollte (wovon ich auch nicht ausgehe), gibt es immer Möglichkeiten und Wege voran zu kommen.
Macht es noch Sinn die Banken zu unterstützen, gar möglicherweise zu retten? Meiner Auffassung nach ist es dafür schon zu spät. Man könnte jetzt argumentieren, dass ansonsten die komplette Wirtschaft in schlechte Zeiten versinken wird. In meinen Augen sprechen wir schon längst nicht mehr von einem „wird“, sondern von einem „ist“, da sie sich bereits am Boden befindet. Ein künstliches Aufrechterhalten einiger Banken würde auf kurz oder lang auch nichts nützen.
Ich möchte Ihnen und vor allem den Banken hiermit meine persönlichen Tipps für nach der Krise (frühstens 2010!) mitteilen:
* Ein striktes Hedging-Verbot, also keine Absicherungen von Kursbewegungen mehr möglich machen
* Optionen, Zertifikaten und Derivate verbieten, die abstrakt und losgelöst vom Basiswert gehandelt werden können
* Nicht mehr die Möglichkeit des Short-Sellings bieten (Spekulation auf fallende Kurse)
* Einführung der Tobin-Steuer zur Beschränkung des Devisenhandels
* Staatliche Förderbank für Kleinunternehmer, die nach Basel II vor dem Aus stehen – Kredite ohne Bürokratie zur schnellen Hilfe
* Jeden dazu zwingen sämtliche Transaktionen offen legen zu müssen, d.h. keine Schwarz- oder Scheingeschäfte mehr möglich
* Wiedereinführung der Goldbindung 1:1 - das Geld verbrieft dann wieder den anteiligen Besitz eines hinterlegten Sachwertes, und wird damit stabilisiert.
* Verpflichtung der Banken, nicht nur genügend Eigenkapital zu halten, sondern auch genügend Kredite an Private und Wirtschaftstreibende zu vergeben, mit zentral festgelegten Entscheidungskriterien.
Welche Möglichkeiten haben wir dann noch an Geld zu kommen?
Das kann ich Ihnen gerne sagen: Aktien-, Anleihen-, und Währungs-Spekulationen (letztere durch die Tobin-Steuer stabilisiert). Ich fordere außerdem vor allem mehr Transparenz an den Märkten und innerhalb der Anlageformen. Und die Hoffnung stirbt zuletzt: Vielleicht lernt an aus der aktuellen Situation und es gibt einen erfolgreicheren Neubeginn.




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