Vor kurzem habe ich gelesen, dass einer ortsansässigen Druckerei ein 40%-Ausgleich bewilligt wurde, damit sie Ihre offenen Verbindlichkeiten entrichten kann. Doch oft bedeutet ein solcher Ausgleich nichts Gutes für die Zukunft: Wer will in Zukunft noch mit einem Unternehmen zusammenarbeiten, bei dem man schon einmal ordentlich draufgezahlt hat?
Gerade in der Branche der Druckerei wird es immer schwieriger zu überleben. Man denke nur an die immer günstiger werdenden Anbieter, die sich nun auch schon über das Internet von jedermann auffinden lassen. Da haben die lokalen Unternehmer das nachsehen, oder müssen selbst bei diesen Dumping-Preisen mitziehen. Im Falle des oben genannten, jetzt fixierten Ausgleichs dieser Druckerei war die Eröffnung des Insolvenzverfahrens samt Bangen um mehrere Dutzend Arbeitsplätze vorangegangen.
Klar sein sollte, dass ein Ausgleich nur einer der allerletzten Auswege ist, wenn man ein Unternehmen trotz Zahlungsunfähigkeit weiter betreiben möchte. Hier gibt es verschiedene Modelle:
Der stille Ausgleich funktioniert so, dass man allen Gläubigern vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens verspricht einen bestimmten Anteil der geforderten Summe innerhalb eines Jahres zu zahlen. D.h. momentan kann ich gar nichts zahlen, biete den Gläubigern aber an, ihnen 30% innerhalb dieses Jahres zu zahlen. Ist die überwiegende Mehrheit damit einverstanden, zahle ich also 30% und auf die restlichen 70% wird verzichtet. So bekommen alle Gläubiger wenigstens einen gewissen Anteil, den er im Konkursverfahren (was sich zudem noch verdammt lange hinziehen kann) wahrscheinlich niemals erreicht hätte.
Der gerichtliche Ausgleich funktioniert im Grunde recht ähnlich: Erst erfordert genau so einer Zustimmung und gilt als Teil des Insolvenzverfahrens. Zielsetzung ist, dass nicht mehr die kompletten Schulden, sondern nur noch ein Teil innerhalb einer bestimmten Frist erbracht werden müssen. Schaffe ich das, kann das Unternehmen weiter existieren und ich bin meine Schulden los.
Wer einen Ausgleich hinter sich hat, sollte sich aber auch nicht darüber wundern, dass die meisten der ehemaligen Lieferanten nicht mehr dazu bereit sind Geschäfte mit ihm einzugehen. Man sollte sich also darüber im Klaren sein, dass man neue Wege gehen muss und nichts mehr so sein wird wie zuvor. Ist man sich dessen bewusst und sich trotzdem sicher, dass man es noch einmal schaffen wird Erfolge zu erzielen, nur dann sollte man den Neuanfang überhaupt in Erwägung ziehen. Ansonsten werden ein paar der altbekannten Firmen zwar vielleicht trotzdem noch Geschäfte mit Ihnen eingehen, aber unter Garantie um Vorkasse bitten. Bleibt nur noch die Frage zu klären, wie Sie das Geld auftreiben sollen, denn an Kredite bei der Bank brauchen Sie nicht zu denken.
Wieso nicht einfach den alten Partnern den Rücken zuwenden und sich neue suchen? Naja, ganz so leicht, wie es sich anhört, ist dieses Unterfangen dann wohl doch nicht! Denn Ihr Unternehmen ist nun mit ziemlicher Sicherheit in sämtlichen Insolvenzdateien, Branchennews und Schwarzen Listen geführt. Leicht wird es also ganz und gar nicht werden, wenn Sie überhaupt einmal wieder dahin kommen wollen, wo Sie schon einmal, als Ihr Unternehmen noch blühte, waren.
Was ist also das Beste, was Sie in dieser Situation tun können? Meiner Meinung nach kann man nach einem Ausgleich nicht einfach wieder wie gewohnt seiner Arbeit nachgehen, sondern muss sein Image grundlegend ändern!
Ziehen Sie in Erwägung Schlüsselpositionen mit qualifizierten, branchenbekannten Mitarbeitern zu besetzen, führen Sie eine viel detaillierte Liquiditätsplanung wie zuvor durch, arbeiten Sie mehr an neuen Kundenbeziehungen und geben Sie die neusten, hoffentlich positiven Entwicklungen Ihres Unternehmens stets bekannt.
Und vergessen Sie eins niemals: Sie stehen Ihren alten Gläubigern, ohne deren guten Willen Sie diese zweite Chance niemals erhalten hätten, und der gesamten Branche moralisch sehr tief in der Schuld.




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